Themen / Funktionsklänge im Patientenmonitoring

Anzeige von Puls und Sauerstoffsättigung im Blut

Da die Lärmbelästigung eines der Hauptprobleme in Krankenhäusern darstellt, ist eine neue Perspektive auf die Gestaltung, die Funktionalität und den Transport klanglicher Informationen zwingend erforderlich. Auch der Informationsgehalt der Alarme wird durch die missverständliche Darstellung zu oft falsch interpretiert oder gar nicht verstanden, zu häufig treten irrelevante Alarme auf, und die fehlende Vernetzung medizinischer und anderer Geräte führt zu einer permanenten Geräuschkulisse. Dies hat wiederum das Unterdrücken und Stummschalten von Alarmen und somit eine Gefährdung für den Patienten zur Folge.

Hier muss das Sounddesign funktionaler Klänge im Bereich medizinischer Geräte neue Lösungsanzsätze finden und zielgerichtet dabei helfen, die Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal zu verbessern und den Aufenthalt für Patienten angenehmer zu gestalten.

Gestaltung der Alarme

Melodien, Rhythmik und Lautstärke sind die wichtigsten Bestandteile zur Unterscheidung der verschiedenen Prioritätsstufen von Alarmsignalen (Thompson 2000, Patterson 1985). Durch sinnvollen Einsatz können Informationsvermittlung und dadurch Reaktionszeiten des Krankenhauspersonals optimiert werden. Eine deutliche Distinktion zu Schwesternruf, Telefon, medizinischen und diversen anderen Geräten muss avisiert werden. Um zusätzlich den Lernaufwand zu verringern, gilt es auch die Lesbarkeit der Signale zu verbessern, d.h. dass die Alarme leicht verständlich - wenn nicht sogar instinktiv - als solche wahrgenommen werden müssen.
Als grundlegendes Schema zur Differenzierung wurde im folgenden Fallbeispiel das Muster "eins - zwei - drei" gewählt.

  • Alarmstufe 1

Ein einzelner Ton mit niedriger Wiederholfrequenz und mittel-tiefer Sonorität signalisiert einen nicht schwerwiegenden Vital- oder technischen Alarm, der keine unverzügliche Aufmerksamkeit erfordet. Somit kann diese Prioritätsstufe gut in die Umgebung eingebettet werden, ohne an Wirkung zu verlieren.

  • Alarmstufe 2

Zwei Töne, die sich melodisch und harmonisch an die niedrigste Prioritätsstufe angleichen, jedoch höher liegen und eine leicht aufsteigende Melodie mit geringerer Sonorität aufweisen, stellen den Alarm der meisten Vitalprobleme dar. Da hier bereits eine relativ schnelle Reaktion gefordert ist, häuft sich die Wiederholfrequenz, wodurch der Alarm im Krankenhausalltag gut wahrnehmbar und schwer zu überhören ist, sich aber dennoch angenehm in die Umgebung einfügt.

  • Alarmstufe 3

Da diese Prioritätsstufe bei den meisten Monitoring-Geräten eine Asystolie signalisiert, wurden drei Töne, die sich disharmonisch zu den anderen beiden Alarmen, durch gesteigerte Tonhöhe, sehr schnelle Wiederholfrequenz, Melodie und Lautstärke klar von der Umgebung abheben. Hier wird die maximale Aufmerksamkeit geweckt, da eine sofortige Reaktion erforderlich ist.

  • Pulsrate

Die Pulsrate ist ein wichtiger Indikator für die grundsätzliche Anamnese und Überprüfung der Vitalfunktionen. Sie wird durch die elektrischen Impulse des Herzens sonifiziert und stellt den Herzrhythmus dar. Hier besitzt die Pulsrate die entsprechend gleiche Klangfarbe wie die Alarme, liegt jedoch in einer deutlich tieferen Tonlage als die niedrigste Alarmstufe.

  • Pulsoximetrie

Als zweite, äusserst wichtig zu sonifizierende Information gilt der im Blut enthaltene Sauerstoffgehalt. Er gibt einen ersten Hinweis, wie gut die Lunge das Blut mit Sauerstoff anreichert. Da dieser Wert schwanken, während der Messung zu- und abnehmen kann, wurde als einzige probabele Lösung die Modifikation der Tonhöhe gewählt. Das bedeutet, dass sich die Tonhöhe an den sonifizierten prozentualen Sauerstoffgehalt anpasst.
Als weitere Möglichkeit bietet sich an, die Pulsrate und die Pulsoximetrie gleichzeitig wiederzugeben. Hierbei ist der Vorteil, dass die Pulsrate als Referenzton einer gewissen Normalsättigung (bspw. 95% i.A.) dient. Somit kann zumindest grob abgeschätzt werden, wie weit der aktuell gemessene Sauerstoffgehalt von der gewünschten Norm abweicht, ohne den Monitoring-Bildschirm beobachten zu müssen. Nachteilig ist jedoch, dass zwei Töne gleichzeitig abgespielt werden, was u.U. als verwirrend oder gar störend empfunden werden kann.

Quellen

Thompson,Chris (2000): ISO/IEC 60601-1-8, Patterson and other alarms in medical equipment
gefunden am 16.08.2011

VDE Positionspapier "Alarmgebung medizinischer Geräte", 2010
gefunden am 25.09.2011

Verfasser: Nico Goller

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